Argumentationshilfen gegen Vorurteile

» Behauptung: „Die kommen alle nach Europa“

Weltweit sind über 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Davon schafft es lediglich ein Drittel über die Landesgrenzen hinaus. Nur etwa 3 % der Geflüchteten schaffen es in die EU. Die Nachbarländer von Kriegs- und Krisengebieten müssen eine weitaus größere Anzahl an Menschen aufnehmen. So verzeichnete die Türkei in 2016 mit 2,9 Millionen Menschen die meisten Geflüchteten weltweit, dicht gefolgt von Pakistan, Libanon und dem Iran. Dieses Verhältnis wird am Beispiel des syrischen Bürgerkrieges besonders deutlich: Seit 2011 sind 5 Millionen Menschen aus Syrien in die Nachbarländer geflohen (Stand Mai 2017). Davon leben rund 3 Millionen in der Türkei. In Syrien selbst befinden sich rund 6 Millionen Menschen als Binnenvertriebene. In der EU, Norwegen und Schweiz wurden bei einer Gesamtbevölkerung von über 500 Millionen Menschen dagegen lediglich (bis März 2017) 920.000 Asylanträge von Geflüchteten aus Syrien gestellt (1).  

 

» Behauptung: „Flüchtlinge leben im Luxus, sie haben ja sogar ein Smartphone“

Tatsächlich haben viele Geflüchtete Smartphones. Dies kann jedoch nicht als Luxusartikel angesehen werden, sondern ist häufig einer der wichtigsten Gegenstände von Geflüchteten. Es ist meistens die einzige Möglichkeit mit Freuden und Familienangehörigen im Herkunftsland zu kommunizieren. Auch dient es als Wörterbuch, Landkarte, Zeitung und Computer. Die Smartphones werden nicht erst in Deutschland gekauft, sondern aus dem Herkunftsland mitgenommen und während der Flucht sorgfältig gehütet. Hier kann sich auch jeder und jede selber die Frage stellen, welcher Gegenstand auf einer riskanten und ungewissen Reise auf keinen Fall fehlen dürfte (2). 

 

» Behauptung: „Es kommt zu einer Überfremdung der Gesellschaft“

Das ist eine Argumentation, die aus der nationalistischen Ideologie stammt und Angst und Hass gegenüber einer heterogenen Gesellschaft schürt. Sie ignoriert, dass die Geschichte der Menschheit eine Geschichte der Migration ist und auch Deutschland eine jahrhundertelange Migrationsgeschichte hat. 


» Behauptung: „Flüchtlinge nehmen den deutschen die Arbeitsplätze weg“

Für Geflüchtete bestehen gerade beim Zugang zum Arbeitsmarkt so viele rechtliche und praktische Hürden, dass viele – darunter viele hochqualifizierte Personen - hier gar keine Chance haben, eine Arbeit oder Ausbildung aufzunehmen. Jahrelanges Nichtstun und die Perspektivlosigkeit zermürbt die Betroffenen und so werden ihnen wertvolle Jahre geraubt. Dabei wäre es so einfach: Durch die Integration in den Arbeitsmarkt werden sie zu Steuer- und Rentenzahler*innen und könnten sich und ihren Familien eine sinnvolle Perspektive aufbauen.

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Quellen:

(1) Pro Asyl: Fakten gegen Vorurteile

(2) Süddeutsche Zeitung: Handys sind für Flüchtlinge kein Luxus

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