Worte haben Macht

In der medialen Berichterstattung, in politischen Reden, aber auch in alltäglichen Gesprächen werden häufig Begriffe verwendet, die geflüchtete Menschen als Bedrohung oder Verursacher von Krise darstellen und ihnen kollektiven Asylmissbrauch vorwerfen. Hierbei wird deutlich, dass Sprache ein machtvolles
Mittel ist, welches nicht neutral ist, sondern häufig zu Bewertung von Handlungen, Menschen oder Situationen verwendet wird. Sprache zeichnet dabei nicht nur vorhandene Meinungen und Denkweisen nach, sondern konstruiert diese auch und beeinflusst somit gesellschaftliche und politische Wirklichkeit. Sprache muss daher immer kritisch hinterfragt werden und auf verletzende, diskriminierende und abwertende Elemente untersucht werden.

"Asylant_in"
Die Bezeichnung "Asylant_in" wurde Ende der 70er, Anfang der 80er-Jahre von Politik und Medien als abwertende Alternative zu den Begriffen Asylbewerber_in und Flüchtling geprägt. Er wurde meistens dann verwendet, wenn Geflüchtete nicht als schutzbedürftig, sondern als Bedrohung dargestellt
werden sollten (1). Die Endung "-ant" weckt Assoziationen an negative Begriffe wie Simulant, Ignorant oder Querulant und unterstreicht die zugrundeliegende abwertende Absicht dieser Bezeichnung (2). "Asylant_in" gilt somit als diskriminierender Begriff, der aus dem Sprachgebrauch gestrichen und
durch die Wörter Asylbewerber_in oder Geflüchteter ersetzt werden sollte.

"Ansturm oder Flut von Asylbewerber_innen"
Durch die Verwendung von militärischen Begriffen oder den Vergleich mit Naturkatastrophen werden
Betroffene entmenschlicht und Migration als Bedrohung dargestellt, vor der wir uns schützen müssen.
Die Verwendung von Metaphern wie "Ansturm auf die Festung Europas" oder "Flüchtlingswellen" lassen dabei gedanklich nicht viel Spielraum für Humanität, Offenheit und Solidarität.

"Wirtschaftsflüchtling"
Mit dieser Bezeichnung wird Menschen unterstellt, dass sie nur aufgrund wirtschaftlicher Interessen und eigener finanzieller Vorteile nach Deutschland kommen. Dadurch wird das Leid dieser Menschen abgewertet. Zudem wird ignoriert, dass auch wirtschaftliche Not, die Existenz ganzer Familien bedrohen kann und dass die Notsituation nicht unbedingt selbstverschuldet, sondern häufig Folgen von jahrelangen gewaltvollen Konflikten, Ausbeutung, Unterdrückung und massiver Diskriminierung
sind.

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Quellen:

(1) Baustein zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit. DGB-Bildungswerk Thüringen e. V.: BrandSätze. Wie sich rassistisches Denken sprachlich ausdrückt
(2) Süddeutsche Zeitung: Warum "Asylant" ein Killwort ist (11.12.2014)

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